Die neuen Studienabschlüsse Bachelor und Master
Der Bologna Prozess hat im Zusammenhang mit der europaweiten Vereinheitlichung der Strukturen der Hochschulbildung (Österreich / Schweiz) zu einem System gestufter Studienabschlüsse geführt: die klassischen Hochschulabschlüsse Magister und Diplom sind vielerorts bereits durch die Abschlussbezeichnungen Bachelor und Master sowie entsprechend neu konzipierte Studiengänge ersetzt worden:
Bereits zum Wintersemester 2008/09 sind in Deutschland bereits 75% der Studiengänge auf das im Zuge des Bologna-Prozesses beschlossene Stufensystem umgestellt gewesen; ein Neubeginn eines Magister- oder Diplomstudienganges zum Wintersemester 2009/10 ist nahezu unmöglich.
Bachelor (von lat. Baccalaureus: "junger Geselle", "Junggeselle")
Der Bachelor ist der erste akademische Grad und berufsqualifizierende Abschluss, der erreicht werden kann. Er wird auch als akademischer Regelabschluss bezeichnet.
Regelstudienzeit und Bachelorarbeit bzw. Bachelor Thesis
Die Regelstudienzeit beträgt mindestens drei, höchstens vier Jahre. Am Ende muss – genauso wie bei einem Magister- oder Diplomabschluss – eine Abschlussarbeit geschrieben werden. Diese nennt sich Bachelorarbeit oder – international - Bachelor Thesis.
Modularisierung beim Bachelor
Anders als bei den klassischen Magister- und Diplomstudiengängen kennzeichnet sich der Aufbau des Bachelorstudienganges durch eine Modularisierung.
Der Studierende besucht pro Semester nicht mehr verschiedene Lehrveranstaltungen, die jede für sich mit einem Leistungsnachweis abgeschlossen wird. Die Module, die der Studierende nun zu absolvieren hat, sind gekennzeichnet durch an bestimmten Lernzielen ausgerichtete Lehr- und Lernblöcke, die sich über mehr als ein Semester erstrecken können. Entscheidend für diese Lehr- und Lernblöcke ist, dass mindestens zwei thematisch verbundene Angebote (z.B. Vorlesung, Übung, Seminar, Lernpraktikum) zusammengefasst sind. Jedes Modul wird mit einer Leistungsüberprüfung, meistens einer Klausur oder Hausarbeit, beendet.
Credit Points
Besteht der Student die Leistungsprüfung, die am Ende eines Moduls steht, erhält er sogenannte Credit Points, d.h. Leistungspunkte (siehe auch European Credit Transfer System). Das Besondere an diesen ist, dass sie sich am Arbeitsaufwand des Studierenden orientieren. So werden neben der Dauer der eigentlichen Lehrveranstaltungen auch Zeiten für Vor- und Nachbereitung sowie Prüfungen mit einbezogen. Ein Leistungspunkt spiegelt einen geschätzten Zeitaufwand von etwa 25 bis 30 Stunden wider. Darüber hinaus ist das Leistungspunktesystem nicht von Universität zu Universität individuell geregelt, sondern international.
European Credit Transfer System (ECTS)
Das European Credit Transfer System (ECTS) soll die Flexibilität und Mobilität der Studierenden unterstützen, in dem es die hochschul- und länderübergreifende Anrechnung von Studienleistungen erleichtert. In Zahlen formuliert bedeutet dies, dass für einen Bachelorabschluss 180 ECTS-Punkte (bei einem Bachelorabschluss nach einem auf vier Jahre angelegten Bachelorstudiengang 240 ECTS-Punkte) benötigt werden. Der Bearbeitungsaufwand für die Bachelorarbeit bzw. Bachelor Thesis soll hierbei 6 bis maximal 12 ECTS-Punkten entsprechen. Damit wird deutlich, dass - im Gegensatz zum Magister- oder Diplomstudiengang - nicht mehr allein die mündlichen und schriftlichen Prüfungen am Ende des Studiums über die Abschlussnote bzw. ein Bestehen entscheiden. Vielmehr wird nun verstärkt auf studienbegleitende Prüfungsleistungen gesetzt: Der Studierende erwirbt von Semester zu Semester Leistungspunkte, die gemeinsam mit den Punkten für die Abschlussprüfungen und die Bachelorarbeit bzw. Bachelor Thesis die zu erwerbende Gesamtpunktzahl für den Abschluss eines Bachelors ausmachen.
Credit Points vs. ECTS-Grade
Wichtig im Zusammenhang mit den Credit Points ist jedoch: Die Leistungspunkte entscheiden lediglich über das Bestehen eines Moduls oder - zusammengefasst - über das Bestehen des Studiums. Sie geben keinerlei Auskunft, wie gut oder schlecht der Studierende abgeschnitten hat. Um die Qualität der Leistung, die der Studierende erbracht hat, widerzuspiegeln, werden die ECTS-Punkte durch ECTS-Grade ergänzt, wobei – dies differiert von Universität zu Universität - die Grade entweder den klassischen Noten entsprechen oder in ein Buchstabensystem übersetzt werden. Mit anderen Worten: die Grade A bis F entsprechen den klassischen Noten 1 bis 5 ( 1 bzw. A entspricht hierbei der Beurteilung "hervorragend" und 5 bzw. F der Beurteilung "nicht bestanden").
"Ein-Fach-Bachelor" und "Zwei-Fach-Bachelor"
Je nach Universität und Studiengang kann der Studierende zwischen einem "Ein-Fach-Bachelor" und einem "Zwei-Fach-Bachelor" wählen. Bei ersterem wird ein Fach in einem größeren Umfang studiert – das Kernfach. Gegebenenfalls kann dies durch ein vertiefendes Nebenfach ergänzt werden. Bei letzterem werden entweder zwei Kernfächer kombiniert, die gleichberechtigt nebeneinander stehen, oder das Kernfach wird durch ein Nebenfach abgerundet. Obgleich diesbezüglich keine einheitliche Regelung zu erkennen ist, scheint das "Ein-Fach-Bachelor" - Studium eher im Bereich der natur-, ingenieur- und wirtschaftswissenschaftlichen Fächer statt zu finden, wohingegen ein "Zwei-Fach-Bachelor" eher im Bereich der geisteswissenschaftlichen Fächer aufzufinden ist.
Ziel des Bachelorstudiums
Generell geht es bei einem Bachelorstudium um das Kennenlernen der Methodik, der Systematik, der Begrifflichkeiten, der Kategorien, der Strukturen sowie der grundlegenden Fragestellungen der studierten Disziplin. Am Ende des Studiums steht ein erster formal berufsqualifizierender universitärer Abschluss, der in den seltensten Fällen auf ein konkretes Berufs- oder Betätigungsfeld vorbereitet. Es ist vielmehr so, dass die Studierenden während eines Bachelorstudienganges eine Berufsbefähigung und Arbeitsmarktfähigkeit („Employability“) erwerben sollen. Aus diesem Grund schließt ein Bachelorstudium meistens obligatorische Veranstaltungen mit ein, in denen es um die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen geht, die der späteren Berufsfindung zuträglich sein sollen.
Internationalisierung beim Bachelor
Darüber hinaus ist es zudem nicht unüblich, dass, um der Internationalisierung des Studiums gerecht zu werden, fremdsprachig durchgeführte Lehrveranstaltungen sowie Auslandsaufenthalte fest im Studienverlauf verankert sind.
Abschlussbezeichnungen beim Bachelor
Internationalisiert sind auch die Abschlussbezeichnungen, die der Studierende mit erfolgreicher Beendigung seines Bachelorstudiums erwirbt:
- Bachelor of Arts (B.A): in Sprach- und Kulturwissenschaften, Sportwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Sozialwissenschaften und Kunstwissenschaften
- Bachelor of Science (B.Sc.): in Mathematik, Naturwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften
- Bachelor of Engineering (B.Eng): in Ingenieurwissenschaften
- Bachelor of Laws (LL.B): in Rechtswissenschaften
- Bachelor of Fine Arts (B.F.A.): in Freier Kunst
- Bachelor of Music (B.Mus.): in Musik
- Bachelor of Education (B.Ed.): in Erziehungswissenschaften
Es ist jedoch anzumerken, dass die Zuordnungen zu den einzelnen Fachrichtungen nur die allgemeine Tendenz widerspiegeln, im Einzelfall Abweichungen durchaus üblich sind. Ein gutes Beispiel ist ein Bachelorstudium der Wirtschaftswissenschaften: hier wird – je nach schwerpunktartiger Ausrichtung des Studiums – sowohl der Abschluss eines Bachelor of Arts als auch der eines Bachelor of Science vergeben. Darüber hinaus wird häufig auch in den Ingenieurwissenschaften auf eine Hervorhebung der Studienrichtung verzichtet, so dass auch hier statt eines Bachelor of Engineering ein Bachelor of Science am Ende des Studiums steht.
Festgelegt ist jedoch, dass der Absolvent die Abschlussbezeichnung so führen muss, wie er sie verliehen bekommen hat. Er darf weder eigenmächtig zwischen beispielsweise Bachelor of Science und Bachelor of Engineering wechseln, noch darf er eigenmächtig eine andere Sprache zur Bezeichnung seines Abschlusses wählen.
Generell wird die Abschlussbezeichnung nach angloamerikanischem Stil hinter dem Namen geführt, zum Beispiel: Max Mustermann, B.A.
Bachelorabschlüsse können in ihrer Zugangsberechtigung mit einem Fachhochschuldiplom vergleichen werden.
Zu den Studienangeboten:
http://www.alma-mater.de
http://studieren.de/bachelor.0.html
Anerkennung des Bachelors
Formal berechtigen alle Bachelorabschlüsse zu einem Masterstudium. Doch Vorsicht:
Obgleich von der Kultusministerkonferenz in Deutschland beschlossen wurde, dass die an Universitäten und Fachhochschulen erworbenen Bachelorabschlüsse
als gleichwertig einzuordnen sind, so sieht die Realität bis dato teilweise noch etwas anders aus. Von einigen Universitäten wird ein FH Bachelor als
minderwertig betrachtet, was dazu führt, dass er nicht zu einem universitären Masterstudium berechtigt bzw. die Studierenden an den entsprechenden
Universitäten nicht zum gewünschten Masterstudiengang zugelassen werden. Studierende tun gut daran, langfristig zu planen, um auf diese Weise mögliche
Ausschlusskriterien bereits frühzeitig in Erfahrung zu bringen.